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Projektbeschreibung

Noch heute bilden mittelalterliche Burgen und ihre Ruinen neben Städten, Klöstern und Kirchen die augenfälligsten Hinterlassenschaften des Mittelalters und sind landschaftsprägende Elemente von denen eine große Faszination ausgeht. Dementsprechend ist die landesgeschichtliche Forschung auch im Oberrheingebiet seit längerer Zeit dabei, Burgen zu erforschen. Ein erster wichtiger Schritt dazu ist die lexikalische Bearbeitung der Burgen, Ruinen und mittlerweile gar nicht mehr architektonisch existenten Burgplätze.

burg in eschbach im markgräflerland
Burg in Eschbach im Markgräflerland

Ziel des Projektes

Seit den 1980er Jahren läuft in diesem Zuge ein Forschungs-Projekt an der Abteilung Landesgeschichte des Freiburger Historischen Seminars und später auch des Historischen Instituts der TU Dortmund, das zum Ziel hat, nach archäologischen und historischen Gesichtspunkten die hochmittelalterlichen Burgen der historischen Landschaft Breisgau katalogartig zu erfassen, zu beschreiben und in einen landesgeschichtlichen Kontext zu stellen. Dabei wird unter anderem Fragen der Siedlungsgeschichte, der Entstehung und Entwicklung der Burgen und ihres Endes bzw. ihrer Zerstörung nachgegangen.

Untersuchungsgegenstand

Das Projekt konzentriert sich auf die mittelalterliche Adelsburg, deren erstes Aufkommen in das 10./11. und deren Ende in das 15. Jahrhundert zu datieren ist, wobei auch Vorgängerbauten, Königspfalzen und -höfe (beispielsweise derjenige von Sasbach am Kaiserstuhl), sowie Nachfolgebauten, wie etwa neuzeitliche Schlösser und Festungen bei der Nachzeichnung der Burgengeschichte ebenfalls zu beachten sind. Die hochmittelalterliche Adelsburg wird als ein befestigter, demonstrativ wehrhafter, bewohnbarer Platz und Bau charakterisiert, von dem aus Herrschaftsrechte ausgeübt wurden, die sich an seine Bewohner knüpften. Dass darüber hinaus die Burg ein Ort war, an dem sich adeliges und ritterlich-höfisches Leben abspielte, zeigt sich schon allein an dem im späten 11. Jahrhundert entstehenden Brauch unter Adligen, sich nach der eigenen Burg zu nennen. Das Ende des zu betrachtenden Zeitraums ist nicht einheitlich zu bestimmen, weil der Adel sehr unterschiedlich mit seinen Burgen umging. Manche Burgen wurden aufgeben, oder im Fall einer Zerstörung nicht wieder aufgebaut. An der Stelle anderer Burgen, beispielsweise nach einer Zerstörung entstanden repräsentative aber nicht mehr wehrhafte Schlösser oder wehrhafte, aber wenig wohnliche Festungen. Weitgehend außerhalb der Betrachtung bleiben rein militärisch-strategische Anlagen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, wie Landhag, Letze und Schanze, die abweichende Funktionen haben und nach Wesen und Funktion weit über das Mittelalter hinausweisen.

burg rötteln bei lörrach
Burg Rötteln bei Lörrach

Untersuchungsraum

Den geografischen Rahmen der Untersuchung bildet die auf das Frühmittelalter zurückgehende Grafschaft Breisgau, die im Süden und Westen vom Rhein, im Osten von den Schwarzwaldhöhen und im Norden vom Bleichbach begrenzt wird, der vom Schwarzwald aus bei Rust in den Rhein fließt. Dies war der Amtsbereich des Breisgau-Grafen, der bis weit ins hohe Mittelalter hinein Bestand hatte und aus den ihm zugehörigen Gebieten eine gewisse Einheit formte. Der heutige Breisgau ist demgegenüber wesentlich kleiner dimensioniert.

Historischer Hintergrund

Diese Grafschaft im Breisgau bildete eine der wesentlichen Machtgrundlagen für die Familie der Zähringer, die im 11. Jahrhundert in den herzoglichen Rang aufstieg, den Breisgau machtpolitisch dominierte und so die Adelsstruktur und damit indirekt auch den Burgenbau im Breisgau nachhaltig prägte. Nach dem Ende der Zähringerdynastie 1218 konnte sich im Breisgau keine der ansässigen Gewalten durchsetzen. Die Landschaft war bis zum Ende des Alten Reichs ein Gebiet, in dem die Territorien und Interessensphären verschiedener größerer und mittlerer Gewalten aneinander grenzten. Genannt seien hier lediglich die Markgrafen von Baden und Hachberg, die Grafen von Freiburg, die Habsburger sowie die Bischöfe von Basel und Straßburg. Es ist eine grundlegende Voraussetzung für die Erforschung der Burgen, die hier skizzierten Herrschafts- und Besitzverhältnisse zu erfassen.

burg landeck bei teningen im landkreis emmendingen
Burg Landeck bei Teningen im Landkreis Emmendingen

Vorgehen und Kooperationen

Die Forschungsarbeit geschieht in Verbindung mit der Denkmalpflege Baden-Württemberg, deren Abteilungen mittlerweile bei den Regierungspräsidien angesiedelt sind. Das gemeinsame Interesse liegt in der Beschreibung bestehender und der Auffindung bislang unbekannter Burgen, wodurch dem Denkmalamt ermöglicht wird, deren ehemaligen Standorte überhaupt wirksam zu schützen. Hierbei wurden die archäologischen Ortsakten der betreffenden Denkmalschutzbehörde ausgewertet. Neben den Projektbearbeitern konnten eine Reihe kompetenter Autoren für die Erforschung der Breisgauer Burgen gewonnen werden, die einzelne Artikel übernahmen.

Stand des Projekts

In einem ersten Schritt wurde der nördliche Breisgau erforscht, wobei die Möhlin in etwa die südliche Begrenzung bildet. Die Gemarkungen aller hier gelegenen Gemeinden wurden eingehend nach Hinweisen auf mittelalterliche Burgen untersucht. Dabei ragen große, noch weithin sichtbare Ruinen von Höhenburgen, etwa die Schneeburg auf dem Schönberg oder die Hochburg bei Emmendingen heraus, die Mehrzahl bilden jedoch kleinere, oftmals völlig aus dem Landschaftsbild verschwundene Niederungsburgen. Die Erforschung des südlichen Breisgaus, südlich der Möhlin bis an den Hochrhein reichend, ist momentan im Gange.

Mit dem Erscheinen der ersten beiden Halbbände in den Jahren 2003 und 2006 wurde die lexikalische Erfassung des nördlichen Teilgebiets abgeschlossen. Für das südliche Arbeitsgebiet, das sich bis an den Hochrhein erstreckt, konnte im Jahr 2009 der erste Halbband (A-K) vorgelegt werden. Gegenwärtig wird an der Drucklegung des abschließenden zweiten Teilbandes für den südlichen Teil (L-Z) gearbeitet.

Erste Ergebnisse des Projekts konnten bei einer international besetzten und interdisziplinär ausgerichteten Tagung im März 2009 in Bollscheil-St. Ulrich einer breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt und durch vergleichende Studien aus benachbarten Regionen flankiert werden. Eine Publikation der Vorträge in Form eines Sammelbandes ist momentan in Bearbeitung.

burg nimburg bei teningen im landkreis emmendingen

Burg Nimburg bei Teningen im Landkreis Emmendingen

Burgendichte

Wie bereits die Voruntersuchungen zu dem seit den 1980er Jahren laufenden Projekt ergeben haben, befanden sich alleine im nördlichen Teil des mittelalterlichen Breisgaus etwa 200 Burgen, was in etwa der Burgendichte in den vergleichbaren Landschaften des Elsass und der Nordwestschweiz entspricht, die für ihre zumeist besser erhaltenen Burgen sehr viel weiter bekannt sind. Im südlichen Untersuchungsgebiet zeichnet sich eine ähnlich Dichte ab, so dass insgesamt mit etwa 400-500 Burgstellen zu rechnen ist.
Das Projekt wird mit großzügiger Unterstützung durch die Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) durchgeführt.

Projektbeteiligte

Projektleitung: Prof. Dr. Alfons Zettler (Dortmund), Prof. Dr. Thomas Zotz (Freiburg).
Projektkoordination und Projektbeteiligte: Erik Beck, M.A, Dr. Eva-Maria Butz, Martin Strotz, M.A. (alle Dortmund).

Literatur

  • Alfons Zettler: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau. Ein Forschungsprojekt der Abteilung Landesgeschichte am Historischen Seminar, in: Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland (Archäologie und Geschichte Bd. 1), Sigmaringen 1990, S. 219-256.
  • Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, hg. von Alfons Zettler und Thomas Zotz, 3 Bde. (Archäologie und Geschichte Bd. 14-16), Ostfildern 2003 / 2006 / 2009.
  • Burgen im Breisgau: Aspekte von Burg und Herrschaft im überregionalen Vergleich, hg. von Erik Beck / Eva-Maria Butz / Martin Strotz / Alfons Zettler / Thomas Zotz (Archäologie und Geschichte. 18), Ostfildern 2012.

 

Burgen im mittelalterlichen Breisgau

Burg Sponeck

Burg Sponeck, bei Jechtingen am Kaiserstuhl, Emmendingen

Kontakt:

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte I und Abt. Landesgeschichte
Werthmannstraße 8
79085 Freiburg i. Br.
Telefon: (0761) 203-3459
Fax: (0761) 203-9188

TU Dortmund
Historisches Institut
Emil-Figge-Str. 50
44221 Dortmund
Telefon: (0231) 755-2892
Fax: (0231) 755-2175
 

 

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