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Tagungsbericht

Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau – Aspekte von Burg und Herrschaft im interdisziplinären und überregionalen Vergleich


Tagung der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Seminars der Universität Freiburg und des Historischen Instituts der Technischen Universität Dortmund in Kooperation mit dem Alemannischen Institut Freiburg i. Br.
Bollschweil-St. Ulrich, 10. bis 13. März 2009

 

Der Breisgau in seiner mittelalterlichen Ausdehnung stellt keine klassische Burgenlandschaft dar. Im Vergleich mit der angrenzenden Ortenau oder dem Elsass fallen nur wenige Anlagen mit gut erhaltenen Resten ins Auge. Dieser auffallende Kontrast ist Gegenstand des Forschungsprojektes „Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau”, das seit mehreren Jahren von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert wird und an der landesgeschichtlichen Abteilung des Historischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und dem Historischen Institut der TU Dortmund angesiedelt ist. Ziel des Projektes ist es, sämtliche Burganlagen im Breisgau in seiner mittelalterlichen Ausdehnung lexikalisch zu erfassen, zu beschreiben und in einen landesgeschichtlichen Kontext zu stellen.

Im Rahmen der Tagung „Burgen im mittelalterlichen Breisgau – Aspekte von Burg und Herrschaft im interdisziplinären und überregionalen Vergleich”, die von den genannten Institutionen in Kooperation mit dem Alemannischen Institut Freiburg i. Br. veranstaltet wurde und vom 10.-13. März 2009 in St. Ulrich im Schwarzwald stattfand, sollten erstmals querschnittartig Einzelaspekte der Breisgauer Burgen zusammengefasst und im internationalen Vergleich diskutiert werden. In fünf Sektionen wurden Ergebnisse aus dem Breisgauer Burgenprojekt mit solchen benachbarter Burgenlandschaften wie insbesondere dem Elsass und der Schweiz verglichen oder überregional kontrastiert. Hierzu referierten Historiker, Archäologen und Kunsthistoriker aus dem In- und Ausland, neben Frankreich und der Schweiz auch aus Großbritannien und den Niederlanden.

Sektion 1: Antike Grundlagen und mittelalterliche Traditionen

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Hans-Ulrich Nuber (Freiburg), der die erste Sektion mit einem Vortrag zu den spätrömischen Befestigungsanlagen am Oberrhein eröffnete, problematisierte die Terminologie des Burgenbegriffs in der Übergangszeit der Spätantike zum Mittelalter und führte ihn etymologisch auf zwei Wurzeln zurück: einerseits eine griechische, durch die burgus als Lehnwort Eingang in die lateinische Sprache fand und ursprünglich einen Wehrturm bezeichnete; andererseits konstatierte Nuber auch einen germanischen Ursprung, wobei das Wort ‚Burg‘ „Siedlung” bedeutete. Anschließend schlug er eine Periodisierung der Entwicklung spätrömischer Wehranlagen am Oberrhein vor.

Erik Beck (Freiburg) berichtete aus seinem Dissertationsprojekt zur mittelalterlichen Nutzung antiker Vorgängeranlagen im links- und rechtsrheinischen Oberrheingebiet. Die Anlagen wurden hinsichtlich Typus, Sichtbarkeit antiker Baureste im Mittelalter, möglicher mittelalterlicher Bauherren und Bauzeitraum analysiert. Im Untersuchungsgebiet seien prinzipiell alle Arten steinerner Vorgängeranlagen, vor allem spätantike Höhensiedlungen, aber auch Höhenheiligtümer, „villae rusticae” und reguläre Festungen genutzt worden. Obwohl archäologische Forschungen vielfach noch ausstünden, sei unter anderem wegen etymologischer Rückbezüge einiger Burgnamen davon auszugehen, dass antike Überreste im Mittelalter durchaus wahrnehmbar waren. Teilweise wurden antike Baureste – wie etwa bei der Burg Sponeck – in die mittelalterliche Burg einbezogen und genutzt.

In überregionalem Rahmen beschäftigte sich Lukas Clemens (Trier) ebenfalls mit Burgen auf oder in antiken Baustrukturen und betrachtete hierfür Vorgängerbauten wie Höhensiedlungen, Niederungsburgen und innerstädtische Anlagen wie Tore, Türme, Grabmäler und Triumphbögen. In Trier beispielsweise sei die Weiternutzung antiker Baureste omnipräsent gewesen und Zubenennungen einiger Familien nach antiken Bauwerken, wie etwa „de horreo” oder „de castello”, können als Ausdruck des Stolzes auf eine als ehrwürdig empfundene Vergangenheit interpretiert werden. Öfter seien sogar, wenn keine antiken Anlagen zur Verfügung standen, Wohntürme erbaut worden, die solche antiken Ruinen imitierten.

Alfons Zettler (Dortmund) stellte zum Schluss der ersten Sektion den über 20 Jahren zurückliegenden Beginn und die Entwicklung des Freiburg-Dortmunder Burgenprojekt vor, in dessen Rahmen die Tagung stattfand. Dabei verglich er das Breisgauer Inventar mit ähnlichen Projekten in der Pfalz1 und im Elsass2. Er hob in diesem Zusammenhang die verschiedenen Konzeptionen der einzelnen Kompendien sowie deren unterschiedliche methodische Herangehensweise bei der jeweiligen Erfassung der einzelnen Burgstellen hervor. Ferner stellte er anhand neuerer archäologischer Ausgrabungen und Bauaufnahmen Synergieeffekte heraus, die zeigten, dass das Projekt wissenschaftlich und in der Öffentlichkeit mit großem Interesse wahrgenommen wird.

Sektion 2: Burgenbau – die Anfänge

Thomas Zotz (Freiburg) hinterfragte in seinem Vortrag zu „Burg und Amt” die einst von Hans-Martin Maurer postulierte These einer Zäsur im Burgenbau um 1050, da ab diesem Zeitpunkt Burgen auch als ständige Wohnsitze des Adels gedient, davor allerdings hauptsächlich militärische Zwecke erfüllt hätten3. Zotz betrachtete hierzu Leitlinien der Burgenentwicklung vom frühen bis ins hohe Mittelalter und das Verhältnis von Burg und Amt, die Rolle des Königtums und die Legitimation des Burgenbaus sowie Elemente der Kontinuität und des Wandels hierbei. Für die mittelalterlichen Ordnungsvorstellungen und Diskurse um den Burgenbau zog er mehrere Zeugnisse des königlichen Befestigungsrechts heran, aus denen hervorgeht, dass die königliche Befestigungshoheit und die Sorge um Gerechtigkeit und Frieden Hand in Hand gingen. So sind im 10. und 11. Jahrhundert zahlreiche königliche Lizenzen zum Burgenbau überliefert, die als Schutzmaßnahmen gegenüber Heiden, Slawen bzw. Ungarn legitimiert waren. Unter Betrachtung der Zubenennungspraxis lehnte er eine punktuelle Zäsur um 1050 im Burgenbau ab und postulierte eine längere Phase des Überganges, von etwa Ende des 9. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 12. Jahrhunderts.

Heinz Krieg (Freiburg) thematisierte in seinem Vortrag „Adel und frühe Burgen im Breisgau” die seit der Zeit des so genannten Investiturstreits aufkommende Praxis der Zubenennung des Adels nach Burgen. Die in der schriftlichen Überlieferung fassbaren Benennungen seien wichtige Zeugnisse, doch könne anhand jener nicht zwingend auf die Existenz einer Burganlage geschlossen werden. Am Beispiel des Breisgaus stellte er die Tendenz fest, dass vor allem die höchstrangigen Vertreter des dortigen Adels bei den ältesten schriftlichen Burgbelegen im Vordergrund stehen. Dies sei ein Indiz dafür, dass nicht alle Adligen, die seit etwa 1100 mit Zubenennungen bezeugt sind, auch über eine Burganlage verfügten; hierfür seien vor allem die materiellen Möglichkeiten und der soziale Rang innerhalb des Breisgauer Adels ausschlaggebend.

Auch Tobie Walther (Freiburg) beschäftigte sich im Rahmen des frühen elsässischen Burgenbaus aus historischer Perspektive mit dem Zusammenhang von adliger Zubenennung und Burgenbau. Entgegen dem Breisgau, wo die ersten Zubenennungen gegen Ende des 11. und Anfang des 12. Jh. in Quellen der so genannten Reformklöster auftreten, ist im Elsass die Praxis adliger Zubenennung in den Quellen verzögert fassbar. Walther formulierte die These, dass Reformklöster möglicherweise wegen ihrer engen Kontakte nach Frankreich Zubenennungen früher als andere Institutionen übernahmen. Eine weitere Möglichkeit sei, dass diese Praxis als Authentifizierungsstrategie zur Erlangung größerer Rechtssicherheit im sogenannten Investiturstreit gedient habe. Das Urkundenmaterial des Bistums Straßburg bietet die einzige Möglichkeit, um Rückschlüsse auf die Zubenennungssitte zu erhalten. Zwar werde dort in betreffenden Urkunden die Zubenennung ab etwa 1050 fassbar, doch handle es sich, wie der Referent in Anlehnung an Ergebnisse der neueren Forschung konstatierte4, vier um Elaborate, die im Zuge von Streitigkeiten zwischen den Domherren und dem Bischof in der Zeit der Episkopate Gebhards (1131-1141) und Burkhards (1141-1162) entstanden sein dürften.

Jacky Koch (Sélestat) blickte aus archäologischer Perspektive auf den frühen elsässischen Burgenbau. Die archäologische Forschung habe dort in den letzten Jahren einige große Fortschritte verzeichnen können. So seien mittlerweile spätmittelalterliche Anlagen gut erforscht, frühere Burgen hingegen weniger. Höhenburgen seien im Elsass während des 10. und 11. Jahrhunderts aufgekommen. Als Beispiele nannte er etwa Klein-Ringelsberg, Oedenburg und Rappoltsweiler. Einige bislang undatierte Ringwälle, darunter Krueth-Linsenrain bei Wettolsheim, könnten mittlerweile in das frühe Mittelalter datiert werden. Aber auch frühe Wohntürme seien im Elsass zu fassen. So etwa Bucheneck-Soultz und ein Wohnturm in der Rettichgasse in Rufach, wo derzeit unter Beteiligung des Referenten eine Grabung stattfindet. Dort sei wahrscheinlich auch römisches Altmaterial verwendet worden.

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Sektion 3: Burgenpolitik als Herrschaftsausbau

Eva-Maria Butz (Dortmund) skizzierte die Burgenpolitik Rudolfs von Habsburg anhand unterschiedlicher regionaler Beispiele und stellte sie in Zusammenhang mit dem Spannungsfeld von Revindikationspolitik, Friedenssicherung und verschieden stark ausgeprägter königlicher Machtentfaltung. Vor diesem Hintergrund beleuchtete sie insbesondere die Auseinandersetzungen um die Burg Zähringen im Breisgau, die sich in die Strukturmaßnahmen Rudolfs in Südwestdeutschland einfügen, wo Reichs- und Hausmachtinteressen nur schwer voneinander zu scheiden sind. Überregional gesehen war die Burgenpolitik des Habsburger aufgrund differierender Voraussetzungen in den einzelnen Regionen differenziert und facettenreich. Da Burgen das wichtigste herrschaftsstrukturierende Element des Adels gewesen seien, habe der König auf diesem Gebiet größtmögliches Mitspracherecht und Handlungsfähigkeit erstreben müssen.

Boris Bigott (Stuttgart) behandelte das städtische Patriziat als Machtfaktor auf dem Burgenmarkt am Beispiel des Breisgaus im Spätmittelalter. Das Streben der bürgerlichen Oberschicht läge einerseits in der sich verstärkenden Ausdifferenzierung der sozialen Schichtung des städtischen Bürgertums, andererseits in dessen Streben nach einer gesellschaftlichen Gleichstellung mit dem landsässigen Adels begründet. Zu den Faktoren einer Annäherung an den Niederadel zählten Reichtum, Nähe zu den hochadligen Stadtherren, der Erwerb herrschaftlicher Rechte auf dem Land, der Aufstieg in den Ritterstand, Konnubien, und nicht zuletzt Burgen. Schon im 13. Jahrhundert wurden diese Kriterien beispielsweise von einigen Freiburger Bürgern erfüllt, allerdings sind Belege für den Burgenbesitz frühestens um die Wende zum 14. Jahrhundert greifbar.

Der Vortrag von Bernhard Metz (Strasbourg) befasste sich mit der Burgenpolitik der Straßburger Bischöfe. Dabei stellte er die wichtigsten Besitzschwerpunkte der Bischöfe im Elsass vor und illustrierte mittels Karten die Burgenpolitik der einzelnen Bischöfe in chronologischer Abfolge. Deutlich wurde dabei das Anwachsen des bischöflichen Burgenbesitzes, wobei die Burgen vielfältige Funktionen besaßen. Zur Krise kam es 1448, als Wilhelm von Diest aus finanzieller Not einen Großteil der Burgen verpfänden musste, zumeist an die Stadt Straßburg oder an Straßburger Bürger. In dieser Verpfändungspolitik sah Metz einen wichtigen Aspekt des Machtrückgangs des Straßburger Bischofs.

Sigrid Schmitt [jetzt: Hirbodian] (Trier) differenzierte mit ihrem Vortrag über den Niederadel und dessen Burgen im 15. Jahrhundert das Bild burgenbesitzender Schichten. Der Niederadel, eine neue Gruppe am unteren Rande der „nobilitas”, die am Ritterideal orientiert nach Aufstieg strebte, sei in der älteren Forschung in Zusammenhang mit Burgen eher sekundär betrachtet worden; jedoch seien diese ein zentrales Instrument für die niederadlige Herrschaftsbildung und -sicherung gewesen, einerseits durch ihre militärische Funktion als Operationsbasis und Rückzugsort, aber auch als Kristallisationspunkt von Rechten, als steinernes Symbol für die herrschende Linie, wovon auch Zubenennungen zeugen. Der deutsche Niederadel war in sich heterogen; die Differenzierung von Reichsritterschaft und landständiger Ritterschaft illustrierte die Referentin an mehreren Beispielen. Das nächste Ziel liege in einer vergleichenden Studie, in der die Situation des spätmittelalterlichen deutschen Niederadels mit der „petite noblesse” Frankreichs und der „lower gentry” Englands kontrastiert werden soll.

Volker Rödel (Karlsruhe) rückte in seinem Vortrag über „Öffnungsverträge und Burgfrieden als Mittel fürstlicher Politik” die rechtsgeschichtliche Bedeutung von Burgen im spätmittelalterlichen Reich in den Mittelpunkt. Burgen seien als umfriedete Räume mit besonders geschützter Rechtsqualität zu verstehen. Unter anderem durch Öffnungsverträge und Burgfrieden habe für den Adel die Möglichkeit bestanden, Burgen als mögliche Gefahrquellen zu neutralisieren und in ein Bündnissystem einzubinden.

Heiko Steuer (Freiburg) warf in seinem Abendvortrag zu Burg und Bergbau die Frage auf, ob es den Typ der Bergbauburgen gegeben habe. Anhand der nahe des Tagungsortes gelegenen Birchiburg bejahte er die Frage und stellte folgende Kriterien für eine Kategorisierung von Bergbauburgen auf: sie lagen in und bei Revieren, abseits von Siedlungen, seien der Sitz der Bergwerksverwaltung gewesen, hätten Silber zum Schutz aufgenommen und die Infrastruktur, Bergleute und Verkehrswege gesichert. Schließlich, so Steuer, fehle meist eine urkundliche Überlieferung und auch der Repräsentationsaspekt habe eine untergeordnete Rolle gespielt. Andererseits habe es viele Bergbaureviere gegeben, in denen keine Burg stand; außerdem müsse zur Charakterisierung einer Burg als Bergbauburg der chronologische Zusammenhang zwischen der Burg und dem benachbarten Bergbau gesichert sein.

posterpräsentation mit kaffepause

Posterpräsentation mit Kaffeepause

Sektion 4: Aspekte der Burgenarchitektur

Cord Meckseper (Hannover) beschäftigte sich mit der Ikonologie der Burg und hinterfragte dabei die schon wie ein Allgemeinplatz konstatierte Machtsymbolik von Burgen. Zunächst definierte er die von Aby Warburg begründete Ikonologie als Lehre von der inhaltlichen Bedeutung sinnlich wahrnehmbarer Formen. Für seine Untersuchung zog Meckseper in erster Linie die Bauwerke selbst und deren Ausstattung (beispielsweise Wandmalereien), schriftliche Überlieferungen, vor allem die erzählende Literatur (besonders die Höfische Dichtung) und bildliche Darstellungen von Burgen als Quellen heran. Anhand mehrerer Beispiele, wie etwa der Architektur der Burg von Saumur oder der Grabplatte des Hildesheimer Bischofs Heinrich III., deutete er schließlich die Burg als mehrschichtiges Zeichensystem auf einer nutzungsfunktionalen, einer immateriellen und einer ästhetischen Ebene und suchte damit den Topos vom „Symbol der Macht” zu differenzieren.

Günther Stanzl (Mainz) thematisierte die Kreuzfahrerburgen und ihren Einfluss auf den mitteleuropäischen Burgenbau. Er periodisierte die Burgentypen der Kreuzfahrer und zeigte anhand zahlreicher Beispiele orientalische Einflüsse auf. Zunächst hätten die Kreuzfahrer vorhandene byzantinische oder spätantike Befestigungen übernommen. Nach und nach vermischten sich beim Bau neuer Anlagen verschiedene Baustile, so dass sich aus europäischen und einheimischen Vorbildern im heiligen Land Festungsbauten entwickelt haben. Für die Rückwirkung dieser Architektur auf den abendländischen Burgenbau hätten Sizilien, England und Frankreich eine große Rolle gespielt. Schließlich konstatierte Stanzl, dass beim Einfluss der Architektur von Kreuzfahrerburgen auf mitteleuropäische Bauwerke weniger von Übernahme bestimmter Baustile, sondern eher von einer Facettierung, Umdeutung und Integrationen einzelner Elemente in neue Baukonzepte gesprochen werden könne. Zudem lasse sich nicht sicher bestimmen, welche Elemente aus dem Nahen Osten stammten.

Kurt Bänteli (Schaffhausen) präsentierte die Aufsehen erregenden archäologischen und baugeschichtlichen Befunde der Burg Hohenklingen, die im Zuge aufwendiger Sanierungsarbeiten der Anlage aufgenommen wurden, sowie neue Bauforschungen innerhalb der Stadt Stein am Rhein. Auf eine Vorgängeranlage des 12. Jahrhunderts folgte ein ab 1219 errichteter Neubau der Burg Hohenklingen, der in mehreren Phasen repräsentativ ausgestaltet wurde und noch heute erhalten ist. Zeitnah dazu etablierten sich die Herren von Hohenklingen innerhalb der entstehenden Stadt Stein am Rhein unterhalb der Burg, errichteten dort seit der Zeit um 1250 mehrere repräsentative Höfe und trieben die städtische Siedlungsentwicklung voran.

Bertram Jenisch (Freiburg) erläuterte die vielfältigen denkmalpflegerischen Aufgaben, die in Zusammenhang mit Burganlagen notwendig sind. Diese Pflichten gingen mit den wissenschaftlichen Interessen einher, da eine genaue Kenntnis der Anlagen unabdingbare Voraussetzungen für deren Erhalt seien. Für die Erhaltung einer Burg stehe die Fundamentsicherung am Anfang. Leider komme es wegen falscher Sanierungskonzepte oftmals zu Schädigungen der Baureste. Als Positivbeispiele erfolgreicher Erhaltung nannte er die Burgen Bodman und Wieladingen. Als Negativbeispiel führte er die Burg Neu-Windeck an, von der Teile durch Wegebau zerstört wurden. Der Erfolg der denkmalpflegerischen Aufgaben hänge nicht zuletzt davon ab, wie fest eine Burg im öffentlichen Bewusstsein verankert sei; so sei die Denkmalpflege auch bestrebt, die Öffentlichkeit auf Burgen aufmerksam zu machen.

Sektion 5: Burgentypen und ihre Nutzung

exkursion zur burg rötteln bei lörrach
Exkursion zur Burg Rötteln bei Lörrach

Martin Strotz (Dortmund) legte den aktuellen Forschungsstand zu Burganlagen vom Typ Motte im rechtsrheinischen Oberrheingebiet dar. Ausgehend von dem mittellateinischen Begriff „mota” stellte er den Burghügel als konstituierenden Teil solcher Burgen heraus, durch den gleichsam der Besitzer im Sinne einer Vertikalverschiebung künstlich repräsentativ überhöht werde; daher seien Motten vor allem dann entstanden, wenn der Erbauer keine natürliche Erhebung zur Verfügung hatte. Eine solche konnte aber durchaus für die Schaffung des Mottenhügels genutzt werden. Eine Sonderform der insgesamt dreizehn im mittelalterlichen Breisgau greifbaren Anlagen sei anscheinend auf die Grafen von Nimburg bzw. deren Ministerialen beschränkt gewesen: hier wurde eine natürliche Spornlage ausgenutzt, in der ein Halsgraben die Anlage vom übrigen Plateau trennt.

Ben Olde Meierink (Wijk bij Duurstede) stellte Burgen im Überschwemmungs- und Moorgebiet entlang des Rheins vor. Dazu nutzte er die Ergebnisse des niederländischen Burgeninventars www.kastelen.nl. Exemplarisch legte er dar, welche Schwierigkeiten sich auch in Hinblick auf die Denkmalpflege durch die sich im Lauf der Zeit verändernden Flussläufe bei der Lokalisierung solcher Anlagen ergeben. Ferner zeigte er die Techniken auf, mit denen man sich im Mittelalter mehr oder weniger erfolgreich gegen die Gefahr der Hochwasser zu schützen versuchte.

Den Abschluss der Tagung bildete der Vortrag von Matthew Strickland (Glasgow), der die oftmals relativierte militärische Bedeutung von Burgen anhand der normannischen Burgen im Rahmen der Eroberung Englands (1066 bis etwa 1087) relativierte. Burgen seien von essentieller Bedeutung, sowohl für die Eroberung als auch für die Konsolidierung der Herrschaft Wilhelms des Eroberers gewesen. Eine ähnlich zentrale Rolle spielten Burgen auch während der Expansion nach Wales. Strickland legte anhand zahlreicher Beispiele die große Bandbreite frühnormannischer Burgen dar. Die Kontrolle über den Burgenbau war dabei ein wichtiges Element der Herrschaftssicherung. Da Wilhelm dem Adel und seinen Vasallen aber auch Zugeständnisse bezüglich des Burgenbaus machen musste, konnten Burgen wiederum zu einer militärischen Bedrohung werden, was am Beispiel des so genannten „Treachery of the Earls” von 1075 dargelegt wurde.

Die Publikation der Tagungsakten ist im Druck und wird im Sommer 2012 beim Thorbecke-Verlag unter dem Titel „Burgen im Breisgau – Aspekte von Burg und Herrschaft im überregionalen Vergleich“ als Band 18 der Reihe „Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland“ erscheinen.

Helen Strotz
 

1 Pfälzisches Burgenlexikon, 4 Bde., hg. von Jürgen Keddigkeit et al., Kaiserslautern 1999-2007.
2 Thomas Biller, Bernhard Metz: Die Burgen des Elsaß. Architektur und Geschichte, 2 Bde., Berlin 1995, 2007.
3 Hans-Martin Maurer: Die Entstehung der mittelalterlichen Adelsburg in Südwestdeutschland, in: ZGO 117 (1969), S. 295-332.
4 Peter Weiß: Frühe Siegelurkunden in Schwaben (10.-12. Jahrhundert), Marburg 1997.

 

Hinweis: Zuerst veröffentlicht in: http://www.ahf-muenchen.de/Tagungsberichte/Berichte/pdf/2009/096-09.pdf.

Burgen im mittelalterlichen Breisgau

Burg Sponeck

Burg Sponeck, bei Jechtingen am Kaiserstuhl, Emmendingen

Kontakt:

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte I und Abt. Landesgeschichte
Werthmannstraße 8
79085 Freiburg i. Br.
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Fax: (0761) 203-9188

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